Medien

Konzertimpressionen bei Youtube

Concertino Harburg – Johannis Passion Choral „Petrus, der nicht denkt zurück“

Concertino Harburg – Johannis Passion Sopranarie „Ich folge dir…“

Streicher und Sopran

Solistin: Julia Barthe, Sopran

Pressestimmen

Großer Chor, bewegende Aufführung

Unter diesem Titel erschien im „Hamburger Abendblatt“ eine Konzertkritik von Nikolaus de Palezieux zur Aufführung von Bachs „Johannespassion“ in der Kirche St.Johannis am 9.03.2008. Darin heißt es: „Rainer Schmitz, Kreiskantor des Kirchenkreises, hat es vermocht, eine oft bewegende Aufführung mit Chor und verstärktem Orchester darzubieten. Die meisten Musiker des Orchesters sind dabei Gemeindemitglieder; für den Chor gilt das ohnehin. Auffällig die Qualität der Orchestermusiker.“

Nikolaus de Palezieux: „Großer Chor, bewegende Aufführung“, in: Hamburger Abendblatt vom
11.03. 2008

1.Violinen

Lebendige Musik im Gottesdienst: Kantatenzyklus uraufgeführt

Kreiskantor Rainer Theodor Schmitz hat für die St. Johannis-Kirche in Harburg ein außerordentliches musikalisches Projekt konzipiert und realisiert: Er komponierte zur Architektur dieser Kirche vier Kantaten, die unter seiner Leitung an vier aufeinander folgenden Sonntagen im September 2012 mit verschiedenen Instrumentalbesetzungen, Chören und Gesangssolisten aufgeführt wurden.

Weg, Stein, Kreuz, Licht

Weg, Stein, Kreuz, Licht – so lauten die Themen der vier Kantaten. Was haben sie mit  einem Kirchenbau zu tun? Die nach der Zerstörung im 2.Weltkrieg im schlichten Bauhausstil wieder errichtete St. Johannis-Kirche lässt sich schlüssig auf diese grundlegenden Kategorien reduzieren. Weg, Stein, Kreuz und Licht finden ihre Spiegelung und Deutung in den Kompositionen von Rainer Schmitz. Die Fokussierung auf diese Elemente lenkt die Aufmerksamkeit des Hörers auch auf deren grundsätzliche architektonische Bedeutung für Kirche an sich. Einerseits thematisiert die Musik diese theologischen Konstanten, andererseits wird reflektiert, wie sie einem Gotteshaus zugrunde liegen. Außerdem bewirken die Korrespondenzen zwischen Kantaten und Kirchengebäude, dass die Struktur der Musik und des Raums bewusster wahrgenommen wird. Dies ist Kirchenmusik im wahrsten Sinne des Wortes.

7/8, 5/4, 3/4, 4/4, 2/4 Takte

7/8, 5/4, 3/4, 4/4, 2/4 Takte, aber auch 2/2, 3/2 und 4/2 im fröhlichen Wechsel – wie Elia durch die Wüste Horeb, um den es in der Kantate „Der Weg“ geht, so stolperte sein Kammerorchester bei der ersten Probe durch die Partitur, wie Rainer Schmitz berichtete. Diese rhythmischen Irritationen waren vom Komponisten durchaus gewollt. Es ergaben sich daraus reizvolle tänzerische und klangliche Effekte. Die Ausführenden sahen sich nicht nur mit einer modernen, sondern auch äußerst expressiven Tonsprache konfrontiert. Deren Sinn erschloss sich beim Zusammenspiel unmittelbar, da die einzelnen Stimmen wie Fäden eines Gewebes koordiniert sind. Taktwechsel und Akzentverschiebungen folgen dabei stets dem Sprachgestus. Diese Musik ist nicht Selbstzweck, sondern soll der Verkündigung dienen. Inhalte sind verschiedene Bibel- und Gesangbuchtexte, die die Themen aus der Perspektive von Evangelisten und Psalmisten behandeln.

Klangfarbe, Dynamik, Rhythmik, Harmonik

Klangfarbe, Dynamik, Rhythmik, Harmonik – unterschiedlichste Instrumentationen und Besetzungen sind für Aufführungen dieser Werke denkbar. Vom Streichquartett bis zum großen Orchester, von Gesangssolisten bis zum Chor ist alles möglich. Die Machbarkeit  zeigte sich in den klangvollen Uraufführungen mit verschieden großen Ensembles, denn die Kompositionen erwiesen sich in allen Konstellationen als tragfähig. Einige Instrumente sind allerdings unverzichtbar, weil sinnstiftend: Der dumpfe Klang des Marimbaphons illustriert rhythmisch den „Stein“, das helle Glockenspiel das „Licht“. Schlagwerk und Blechbläser setzen besondere dynamische Akzente. Harmonische Intervalle spannen das „Kreuz“ hörbar in den Raum. Die dynamische Bandbreite dient einer mal meditativen, mal theatralischen Umsetzung der Texte.

Bedrohliche Blitze, rollende Steine, sanfter Wind, strahlende Helligkeit

Bedrohliche Blitze, rollende Steine, sanfter Wind, strahlende Helligkeit – Naturerscheinungen formt der Komponist mit Mitteln der Tonmalerei. Anschaulich wird das biblische Wort von Rainer Schmitz in Klangbilder umgesetzt. Gesangssolisten und Choristen verkünden und interpretieren das Geschehen, das die Instrumente illustrieren.  Lautmalereien sind jedoch nie einem Effekt geschuldet, sondern konkretisieren immer den Text. Die Musik löst beim Hörer konkrete Assoziationen und Bilder aus.

Gottesdienst, Gestaltung, Synergien, Zyklus

Eine eindrucksvolle Steigerung der musikalischen Wirkung ergab sich dadurch, dass bei den Uraufführungen die Themen Weg, Stein, Kreuz, Licht jeweils in den Predigten behandelt wurden. „Weg“ und „Stein“ wurden durch die Gestaltung mit Steinen, die der Kinderkreis bunt bemalt hatte, ergänzt. So wurden junge und erwachsene Gemeindeglieder in das Projekt eingebunden. Auch die Zuhörer können in die Kantate einbezogen werden, indem die Choralstrophen von der Gemeinde fortgesetzt werden. Daraus entstehen Synergien, die diesen Zyklus zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis machen.
Die vier Werke, die jeweils in den Gottesdienstablauf integriert wurden, können sowohl als eigenständige Kantaten als auch – wie vier Sätze einer Symphonie – als Kantatenzyklus aufgeführt werden. Figuren und Sequenzen finden sich leitmotivisch in allen Werken wieder, spannen aber auch  einen Bogen zwischen ihnen. Ihr Wiedererkennen erschließt dem Zuhörer den Zusammenhang der Werke. Die Motive, die zu Beginn der ersten Kantate „Der Weg“, in der noch nach Orientierung und Antworten gesucht wird, erklingen, verwandeln sich in der letzten Kantate „Das Licht“ in puren Jubel.
Wenn auch von einem  bestimmten Kirchengebäude angeregt, sind diese Musikstücke in ihrer universalen Aussage jedoch nicht an einen speziellen Ort gebunden. Dass ein außergewöhnliches musikalisches Projekt in der St. Johannis-Kirche stattfand, sprach sich über die Grenzen des Kirchenkreises hinaus herum. Von Sonntag zu Sonntag kamen mehr interessierte Besucher. Eine weitere Aufführung, in Gottesdiensten oder als Konzert, wäre diesen eindrucksvollen Werken sehr zu wünschen.

Bettina Textor: „Lebendige Musik im Gottesdienst“, Pressemitteilung vom  1.10.2012

 

Kantate „Das Licht“ (Foto: Jean Narbèl)

CPE Bach: Magnificat. Konzert in der St. Johanniskirche, Harburg

Anlass ist der 300. Geburtstag des auch als „Hamburger Bach“ bekannten zweiten Sohnes von Johann Sebastian Bach, der zu seinen Lebzeiten viel berühmter war als sein Vater und dessen Werke europaweit Beachtung fanden. Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart betrachteten ihn als ihren kompositorischen Lehrmeister.

Das „Magnificat“, Wq 215, entstand 1749 in Berlin noch zu der Zeit, als Carl Philipp Emanuel Bach Kammercembalist am Hofe Friedrichs des Großen war. Der Grund seiner Entstehung ist bislang ungeklärt, die Uraufführung fällt wahrscheinlich erst in Bachs Hamburger Zeit, als er der „Director musices“ der fünf Hauptkirchen war. Obwohl es das erste umfangreichere kirchenmusikalische Werk des Komponisten darstellt, zeigt es große kompositorische Meisterschaft und hohe Expressivität, wie sie dem zu der Zeit aufkommenden empfindsamen Stil eigen ist. Es stellt hohe Anforderungen sowohl an das Können der Solisten als auch des Chores und ist in seiner endgültigen Fassung im Orchester mit Trompeten, Pauken, Flöten, Oboen, Hörnern, Fagott und dem vollständigen Streicherapparat ungewöhnlich groß besetzt.

Das Anthem „Zadok the Priest“ komponierte Georg Friedrich Händel (1685-1759) anlässlich der Krönung Georgs II. zum König von England im Jahre 1727 und ist ein höchst einprägsames Stück, das den Komponisten auf der Höhe seiner Schaffenskraft zeigt. Da Carl Philipp Emanuel Bach nachweislich ein großer Verehrer des Londoner Meisters war und in Hamburg viele seiner Werke zur Aufführung gebracht hat, eignet sich das Stück besonders gut als Ergänzung zum „Magnificat“.

Neben der Kirchdorfer Kantorei, dem Chor St. Trinitatis und dem Kammerorchester St. Trinitatis wirken an der Aufführung in der St. Johanniskirche namhafte Solisten mit: Julia Barthe, Sopran; Tiina Zahn, Alt; Hennig Kaiser, Tenor und Benno Schöning, Bass.

in: Elbe-Wochenblatt vom 25.05.2014

Kirchenmusiker Rainer Schmitz initiiert einen „Förderkreis für Kirchenmusik“, denn:

Auch eine Mozart-Messe braucht Mäzene

  

Reich an Musik ist er. Es fehlt nur am Geld, um sie zu Ohren zu bringen: Harburgs Kirchenmusiker Rainer Schmitz (Foto: Hermann Straßberger)

Oratorien, Kantaten oder Gospel – Kirchenmusik stirbt nicht aus, hat aber auch ein echtes Live-Problem. Rainer Schmitz will dies ändern und hat viel zu bieten. ´Tiefgang` sprach mit dem Harburger Kirchenmusiker der Gemeinden St. Trinitas, St. Paulus und St. Petrus und seinen Plänen …

Tiefgang (TG): Es wird einen „Förderkreis Forum Klangkultur Harburg“ geben, der es sich zur Aufgabe macht, die kirchenmusikalische Arbeit in Harburg zu unterstützen. Was findet denn bisher überhaupt statt?

Rainer Schmitz: Wie der Name schon sagt, ist die Kirchenmusik ein Bereich der musikalischen Landschaft, den man vorwiegend, aber nicht nur, in Kirchen erleben kann. Die Präambel unseres Kirchenmusikgesetzes – ja, das gibt es wirklich! – sagt es so: „Kirchenmusik ist Verkündigung mit den Mitteln der Musik“. Deshalb ist sie von jeher ein wesentlicher Bestandteil christlicher Gottesdienste und hat dort ihren eigentlichen Platz.

Weil aber viele der bedeutendsten Kirchenmusiker große Komponisten waren, werden ihre Werke auch in Konzerten gespielt, um sie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Denken Sie zum Beispiel an Johann Sebastian Bach und sein „Weihnachtsoratorium“. In Harburg können Sie Kirchenmusik in ihrer ganzen Vielfalt erleben, in der Harburger Innenstadt aber eher die klassische Seite. Das geht vom großen Oratorium mit zuweilen über 200 Mitwirkenden bis hin zum Liederabend, vom Orgelkonzert bis zum Kantatengottesdienst.

TG: Der Förderkreis gilt für die Harburger Gemeinden St. Trinitatis, Luther, St. Paulus und St. Petrus. Ein Angebot vor allem für die Gemeindemitglieder dort oder für alle musikalisch Interessierten?

Schmitz: Selbstverständlich richten sich die Angebote an alle musikalisch Interessierten. Sie können unsere Konzerte besuchen oder aktiv in den musikalischen Gruppen mitwirken.

TG: Kirchenmusik – da denken viele junge Leute an Chor, Orgel oder vielleicht auch Gospel. Aber was ist Kirchenmusik aktuell und welchen Ursprung hat sie?

 Mehrstimmigkeit ist eine Erfindung der Kirchenmusik

Schmitz: Auf unserem aktuellen Konzertplakat behaupten wir vielleicht ein bisschen steil: „2000 Jahre Kirchenmusik“, aber so ist es tatsächlich. Die Kirchenmusik entwickelt sich schon, bevor überhaupt Kirchengebäude gebaut werden. Vorchristliche griechische und jüdische Musiktraditionen bilden die Grundlage für den sogenannten Gregorianischen Gesang. Das sind Melodien, die Papst Gregor im 7. Jahrhundert hat sammeln lassen, weil er sie als würdig genug für den christlichen Gottesdienst erachtete. Diese Melodien wiederum sind der Ausgangspunkt für alle Kompositionen bis zur Trennung von geistlicher und weltlicher Musik, die im Grunde erst im frühen 16. Jahrhundert stattfindet.

Wussten Sie, dass die Erfindung der Mehrstimmigkeit, wie sie uns in der westlichen Kultur so selbstverständlich erscheint, eine Erfindung der Kirchenmusik ist?

TG: Nein. Ehrlich gesagt nicht …

Schmitz: Dafür mussten die Komponisten auch unsere Noten entwickeln, damit sie Musik überhaupt aufschreiben konnten. Kirchenmusik war immer Ausdruck ihrer Zeit und hat musikalische Stile oft entscheidend geprägt. Das gilt für die Renaissance und das Barock genauso wie für die Gesänge der afroamerikanischen Sklaven, ohne die unsere Gospelchöre, aber auch die heutige Popmusik nicht denkbar wären. Mittlerweile ist die kirchenmusikalische Landschaft so bunt und vielfältig wie die heutige Musik insgesamt, und für jeden Geschmack sollte etwas dabei sein: Es gibt Kinder-, Jugend-, Gospel- und Popchöre neben Chören mit klassischem Repertoire; es gibt Bands mit unter-schiedlichsten musikalischen Stilen; es gibt die Posaunenchöre mit ihrer umfassenden Bläserarbeit, die sich von jeher dem Crossover verschrieben hat; und dann gibt es die klassischen Formate wie Streichorchester oder Blockflötenkreise, die aber auch gern mal über den musikalischen Tellerrand hinaus schauen.

TG: Was sind für Sie die zurzeit spannendsten kirchenmusikalischen Arbeiten? Wird Kirchenmusik überhaupt noch geschrieben?

Schmitz: Oh ja, natürlich wird Kirchenmusik geschrieben! Denken Sie doch nur an die ganzen Arrangements, die Gospel- oder Popchöre, aber auch die Posaunenchöre benötigen, um überhaupt musizieren zu können. Ihre Frage bezieht sich wohl aber eher auf das, was gemeinhin als klassische Kirchenmusik bezeichnet wird, richtig?

TG: Ja, sie war aber auch bewusst leicht provokant gestellt …

Der Jugendchor als Flashmob in Wittenberg

Schmitz: Zunächst möchte ich unterscheiden zwischen der Musik, die die Gemeinde selbst zu einem Gottesdienst beiträgt, also den Liedern, und der Musik, die vorgetragen wird. Es entstehen immer wieder neue Lieder. Früher hätte man „Choräle“ gesagt, oft angeregt durch Wettbewerbe oder auch die Kirchentage. Manche davon entwickeln sich regelrecht zu Schlagern, die fast jeder kennt. Im Bereich der vorgetragenen Kirchenmusik entstehen ebenfalls immer neue Werke, vom schlichten Chorsatz bis hin zum großen Oratorium. In der Barclaycard-Arena konnte man im Februar das Luther-Oratorium von Dieter Falk erleben, die hannoversche Landeskirche hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von CDs mit neu komponierten Kantaten für Chor und Orchester herausgebracht. Die Kompositionen von Karl Jenkins oder Arvo Pärt – beide tief religiös – erfreuen sich großer Beliebtheit, ein Jugendchor unseres Kirchenkreises wird im Rahmen des Kirchentages in Wittenberg einen Flashmob veranstalten. Die Vielfalt ist so groß, dass man leicht den Überblick verliert. Für mich ist die zurzeit spannendste Arbeit die an meine eigenen Stücken…

TG: Muss Kirchenmusik ausschließlich in Kirchen stattfinden oder ist das nicht aus der Mode geraten?

Schmitz: Musik in Kirchen ist stilistisch völlig frei. Es kann bestimmt sehr interessant sein, Werke in einen neuen räumlichen Kontext zu stellen.

TG: Es soll vier musikalische Schwerpunkte in der Förderung geben: Cantate Harburg, Concertino Harburg, Flauti vivi Harburg und Heimfelder Posaunenchor. Wo liegen die Unterschiede?

Schmitz: Wir sprechen hier von den musikalischen Gruppen, die in den Gemeinden der Region, also Luther, St Trinitatis, St. Paulus und St. Petrus, musizieren und in Gottesdiensten und Konzerten zu hören sind. Cantate Harburg ist ein großer Chor mit rund 70 Mitgliedern, Concertino Harburg ist ein Streichorchester mit 17 Mitspielerinnen und Mitspielern, und hinter dem Namen Flauti vivi verbirgt sich ein ambitioniertes Blockflötenensemble. Diese drei Gruppen darf ich leiten. Im Heimfelder Posaunenchor spielen alle Sorten von Blechbläsern unter der Leitung von Hartmut Fischer. Alle Sängerinnen und Spieler sind Amateure im Wortsinn, also Liebhaber der Musik, keine Profis.

TG: Ist es eigentlich ein Angebot an alle Musikinteressierten? Und wenn, wie kann ich die Angebote wahrnehmen?

Schmitz: Zu unseren Gottesdiensten und Konzerten ist grundsätzlich jeder eingeladen. Um die Schwelle möglichst niedrig zu halten, erheben wir für die Konzerte keinen Eintritt, sondern sammeln am Ende Spenden ein.

TG: Zum Förderkreis: Was genau unterstütze ich denn als Fördernder?

Schmitz: Der Förderkreis möchte in zwei Richtungen wirken: Einerseits möchte er finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, damit die musikalische Arbeit in der Region überhaupt geleistet und vielleicht sogar erweitert werden kann. Vor wenigen Jahren war die finanzielle Situation noch so gut, dass wir regelmäßig größere Werke mit Solisten und durch Profis erweitertem Orchester aufführen konnten, und zwar in einer Bandbreite von Heinrich Schütz bis zu Uraufführungen, also vom 17. bis ins 21. Jahrhundert. Dies kann nun nur noch durch regelmäßige oder einmalige Spenden von Förderern erreicht werden.

Andererseits kann die Förderung auch in Zeitgeschenken und verschiedenen Formen der Unterstützung bestehen, denn der Kontakt zu potenziellen Geldgebern muss erst einmal aufgebaut und dann auch gehalten werden, Konzerte müssen organisiert und durchgeführt werden, Ideen für neue Formate und Projektideen sollen entwickelt und umgesetzt werden.

Das linke Bein der hübschen Sopranistin

TG: Wie viel Geld wird überhaupt gebraucht?

Schmitz: Das ist eine schwierige Frage, nämlich im Grunde die nach der Henne und dem Ei: Um die Aufführung eines größeren Werkes zu planen, brauche ich eine finanzielle Sicherheit. Schließlich müssen professionelle Musiker, die ich dazu benötige, angemessen honoriert werden. Sie leben schließlich davon. Ich kann auch über weitreichende Werbung erst nachdenken, wenn ich dafür Gelder zur Verfügung habe. Dadurch steigt andererseits die Wahrscheinlichkeit höherer Einnahmen und auf deren Grundlage wiederum kann ich interessantere und qualitativ hochwertigere musikalische Angebote machen.

Wir haben vor, Interessierten die Möglichkeit zu geben, konkret einzelne Projekte zu fördern. Sagen wir, für eine Messe von Mozart benötigen wir vier Solisten, sechs Holz- und Blechbläser und einen Paukisten. Die Gesamtkosten mit Werbung und Notenmaterial belaufen sich auf rund 4000 €. Ein Förderer möchte 50 € investieren und kann wählen, ob damit die Plakatwerbung bezahlt werden soll oder das linke Bein der hübschen Sopranistin. Er kann für uns aber auch die ganze Sopranistin kaufen und bezahlt dann 300 €.

TG: Welche vortreffliches Bild … Immerhin ist Ihnen der Humor trotz Geldknappheit erhalten geblieben … Ist die Kulturarbeit auch im Kirchenbereich in den letzten Jahren schwerer geworden? Und wenn worin?

Schmitz: Ja, sehr deutlich. Einerseits hat das mit dem Abbau von hauptamtlichen Kirchenmusikstellen, andererseits mit der finanziellen Ausstattung dieser Stellen zu tun. Ohne sogenannte Drittmittel kann heute kaum noch jemand ausstrahlende Kirchenmusik auf die Bühne oder die Empore bringen. Es erfordert oft viel Phantasie und Arbeitseinsatz, um mit wenig finanziellen Mitteln interessante Programme zu entwickeln. Zudem hat die Kirchenmusik unter dem allgemeinen gesellschaftlichen Bedeutungsverlust von Kirche zu leiden, obwohl gerade sie spirituell Suchende ansprechen und der Kirche kritisch Gegenüberstehende positive Erfahrungen vermitteln kann.

TG: Es wird ein Konzert zur Begründung des Förderkreises am Sonntag, den 19. März um 17 Uhr in der Kirche St. Johannis, Bremer Straße 9, geben. Was steht so alles auf dem Programm?

Schmitz: Wir möchten unser Publikum in die bunte Welt der Kirchenmusik mitnehmen. Cantate Harburg singt eine große Motette von Christian Wolff, einem Stettiner Komponisten der Mozart-Zeit, und Lieder von Felix Mendelssohn Bartholdy. Concertino Harburg begleitet die jungen Violin-Solisten Paula Ebeling (11 Jahre) und Thore Dreidax (13 Jahre) bei einem Konzert von Antonio Vivaldi und spielt Tschaikowsky und alte Schlager. Flauti vivi stellen die Blockflöten von der Sopranino- bis zur Subbassflöte vor und spielen Stücke aus dem 17. Jahrhundert und einen Tango. Der Heimfelder Posaunenchor lässt es mit alten und neuen Stücken richtig krachen. Alle Gruppen zusammen musizieren dann doppel- und dreichörig Werke von Hassler und Pachelbel. Das ganze dauert etwa eine Stunde. Ich selbst werde durch das Programm führen. Und für alle, denen die Kehle trocken geworden ist oder der Magen knurrt, laden wir hinterher zu einem kleinen Empfang mit Wein, Saft und Käse.

TG: Zum Schluss ein persönlicher Tipp an Konzertfreunde?

Schmitz: Schauen Sie regelmäßig in die „Suedkultur“ oder auf die Website von Concertino Harburg, dort werden Sie von uns jetzt öfter lesen können.

TG: Noch einige Fragen zu Ihnen persönlich … Wie lange sind Sie in der Kirchenmusik aktiv?

Schmitz: Mit 10 Jahren nahm mich eine Freundin in einen kirchlichen Kinderchor mit, wo meine Liebe zum Singen geweckt wurde. Das Orgelspiel des Kantors faszinierte mich, und ich nahm Unterricht, zunächst privat und dann am Wiesbadener Konservatorium. Mit 16 übernahm ich meine erste Orgelstelle, in deren Rahmen mir dann auch die Leitung des Chores übertragen wurde. Da war ich gerade mal 18. Ein Studium der Kirchenmusik lag nahe, und nach dem Zivildienst, den es damals noch gab, habe ich in Freiburg im Breisgau evangelische Kirchenmusik studiert. 1992 trat ich dann meine erste hauptamtliche Stelle an der Dreifaltigkeitskirche in Harburg an. Durch die Fusion der Gemeinden wurde ich 2006 Kantor an St. Trinitatis, und durch die fortschreitende Regionalisierung bin ich nun auch für die anderen Gemeinden der Region Harburg Innenstadt zuständig. 2007 wurde ich zusätzlich zum Kreiskantor der Propstei Harburg berufen.

„Mir steht Musik aus 1400 Jahren zur Verfügung!“

TG: Was reizt Sie besonders an der Kirchenmusik?

Schmitz: Die Vielfältigkeit und die ungeheure Bandbreite sowohl der musikalischen Stile als auch der Arbeitsfelder! Mir liegt die Arbeit mit Menschen, deshalb dirigiere ich gern Chöre, Orchester oder sonstige Ensembles. Ich spiele Orgel, Klavier, Cembalo und singe. Und für alles steht mir Musik aus mindestens 1400 Jahren zur Verfügung. Ich komponiere. Und wenn ich mit Musik im Allgemeinen und meinen eigenen Stücken im Besonderen Menschen bewegen kann, dann ist das die größte Freude.

TG: Gehen Sie auch in andere Konzerte und wenn in welche?

Schmitz: Natürlich gehe ich auch in andere Konzerte. Abgesehen von denjenigen, die ich von Berufs wegen besuchen muss, gehe ich hauptsächlich in Konzerte mit sogenannter Neuer Musik, also klassischer Avantgarde, oder in die Oper. Und wenn es Freunde gut mit mir meinen, dann nehmen sie mich mal mit in einen Jazzclub.

TG: Welche Komponisten sind für Sie persönlich „der Hammer“?

Schmitz: Chronologisch: Guillaume Dufay, Pierre de la Rue, Georg Philipp Telemann (mit dem ich damals gerne Tee getrunken hätte), Joseph Haydn, Anton Bruckner, Alexander Scriabin, Alban Berg, Dimitri Schostakowitsch.

TG: Vielen Dank für das mehr als aufschlussreiche Gespräch und wir wünschen Ihnen und all den Kirchenmusizierenden viele, viele Förderer und Unterstützer!

Das Konzert zur Gründung des Förderkreises findet am 19. März um 17h in der Kirche St. Johannis in der Bremer Straße 9 statt.

Zur Website von Rainer Schmitz selbst hier klicken: www.rainerschmitz.net

03. März 2017  Das Gespräch führte Heiko Langanke für das Feuilleton TIEFGANG vom Kulturportal SUEDKULTUR.

 

Kleine Kunst auf Wilhelmsburg

»Wie entsteht ein Stück Musik?«

Der Komponist Rainer Theodor Schmitz sprach am 25. März 2017 in der Mühle „Johanna“ in Wilhelmsburg über seinen »Wiener Totentanz«. Im Jahr 2014 entstand das Musikstück als Auftragswerk für Solisten, Chor und Orchester. Der „Wiener Totentanz“ stellt eine Programmergänzung zum Requiem von W.A. Mozart  dar und hat die gleiche Besetzung. Der Komponist erläuterte anhand von Klangbeispielen die Entstehung, die Struktur und die musikalischen Beziehungen.

Die nächste Aufführung des „Wiener Totentanzes“ von Rainer Theodor Schmitz ist am Samstag, dem 24.11.18, in der Kreuzkirche Kirchdorf, zusammen mit Mozarts „Requiem“ geplant.

„Glaubenszeichen“ – Oratorium mit dem Konzertchor Buchholz

Buchholz: St. Johannis-Kirche | tw. Buchholz.

Wie vier Sätze einer Symphonie erklingt das Oratorium „Glaubenszeichen“ am Sonntag, 12. November, um 19.30 Uhr in der Kulturkirche St. Johannis (Wiesenstr. 25) in Buchholz. Unter der Leitung des Komponisten Rainer Theodor Schmitz, der sich bereits im In- und Ausland einen Namen gemacht hat, gestaltet der Konzertchor Buchholz den Abend. Mit von der Partie sind außerdem der Chor Cantate Harburg, das Orchester Concertino Harburg, einige Gäste und die Solisten Sophie- Magdalena Reuter (Sopran), Tiina Zahn (Alt), Simon Kannenberg (Tenor) und Bernd Leo Treumann (Bass).

„Glaubenszeichen“ ist ein Oratorium von Rainer Theodor Schmitz, das 2012 entstand und sich zusammensetzt aus vier Kantaten, deren Titel lauten „Der Weg“, „Der Stein“, „Das Kreuz“ und „Das Licht“. Über 100 Mitwirkende – Chor, Orchester und Solisten – beleuchten aus verschiedenen theologischen Perspektiven die Bibelverse und Choralstrophen, die die Textgrundlage des jeweiligen „Glaubenszeichens“ bilden. Die vier Kantaten können in den Gottesdienstablauf integriert oder als Oratorium aufgeführt werden.

in: Kreiszeitung Wochenblatt Buchholz, November 2017

Uraufführung des Kantatenzyklus vom Harburger Rainer Schmitz:

Die „Glaubenszeichen“ der Architektur

Architektur in Musik zu erklären, scheint erst einmal absurd. Aber unmöglich? Harburgs Kantor Rainer Schmitz hat gleich vier Kantaten komponiert. Nun werden sie uraufgeführt.

Von Peter Kerbusk

Der Kantatenzyklus „Glaubenszeichen“ entstand im Laufe des Jahres 2012. Anders als die Kantaten der Barockzeit beziehen sich diese Kantaten nicht mehr auf das Kirchenjahr, sondern auf grundlegende Symbole des Glaubens, abgeleitet von der Architektur einer Kirche. Die Texte der vier Kantaten mit den Titeln „Der Weg“, „Der Stein“, „Das Kreuz“ und „Das Licht“ sind eher assoziative Zusammenstellungen von Bibelversen und Choralstrophen, die sich auf das jeweilige Symbol beziehen. Erhalten geblieben ist „die Hoffnung, die Zuhörerin oder der Zuhörer möge durch die Musik Charakter und Bedeutung des jeweiligen Symbols sinnlich erfassen und erleben“, sagt Rainer Schmitz.

Uraufführung des Gesamtwerks

Die Idee zu dem Werk entstand im Rahmen einer Gottesdienstreihe über die Architektur der Harburger St. Johanniskirche, die als Hamburgs erster moderner Kirchenneubau nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst sehr umstrittenen war. In seinem Vortrag erläuterte der damals schon hoch betagte Architekt Walter Gebauer seine Grundgedanken zu dem 1951 entworfenen Sakralbau und gab so der ungewohnten Asymmetrie und Kargheit des von ihm gestalteten Raums nachvollziehbare theologische Entsprechungen. Inspiriert von der schlichten Ästhetik der am Bauhaus-Stil orientierten Architektur komponierte Kreiskantor Rainer Schmitz eine Kirchenmusik im wahrsten Sinne des Wortes, deren vier Kantaten zunächst nacheinander an vier Sonntagen im September 2012 erstmals aufgeführt wurden.

Fünf Jahre später folgt nun die Uraufführung als abendfüllendes Gesamtwerk. Es macht dem Zuhörer vor allem die inneren Zusammenhänge der Musik besser deutlich. Denn in allen vier Abschnitten finden sich Figuren und Sequenzen, die als Leitmotive fungieren und so einen Bogen über das Werk spannen. Im großen Zusammenhang erleichtern sie das Wiedererkennen und verdeutlichen gleichzeitig die Veränderungen der Sinnzusammenhänge. So verwandeln sich zum Beispiel die Motive, die anfangs in der Kantate „Der Weg“ noch die Suche nach Orientierung symbolisieren , in der letzten Kantate „Das Licht“ in puren Jubel, quasi als Antwort auf die tastende Sinnsuche des Anfangs.

„Das Licht“ als glanzvolles Finale

Auch die von Kantate zu Kantate wechselnde Besetzung des Orchesters, die mal einer meditativen, mal einer theatralischen Umsetzung der Texte dient, wird im zyklischen Zusammenhang noch besser deutlich. Im Eingangssatz etwa werden die Streicher, die ebenso wie der Chor und die Solisten das ganze Werk bestreiten, nur von Holzbläsern ergänzt. In der zweiten Kantate („Der Stein“) kommen ganz gezielt die aparten dunklen Klangfarben des Marimbaphons zum Einsatz. Umso größer wirkt dann der Kontrast der Blechbläser und Pauken in „Das Kreuz“. Erst in der Kantate „Das Licht“ erklingt das komplette Orchester und bildet zusammen mit dem Glockenspiel schließlich das glanzvolle Finale des Werks, in dem Gesangssolisten und Choristen das von den Instrumenten klangmalerisch illustrierte Geschehen verkünden und theologisch interpretieren.

Für die Sänger und Musiker enthalten die Kantaten mit ihrer expressiven Tonsprache und ihren zahlreichen rhythmischen Irritationen manche Tücken, für den Zuhörer jedoch bleibt die Musik trotz aller Modernität jederzeit verständlich. Taktwechsel und Akzentverschiebungen folgen stets dem Sprachgestus der Bibel- und Gesangbuchtexte, die die Themen aus der Perspektive von Evangelisten und Psalmisten behandeln.

(Peter Kerbusk, Redakteur des neuen Newsletters des Förderkreis FORUM KLANGKULTUR Harburg. Er selbst musiziert an der Blockflöte und im Ensemble Flauti vivi) kammerorchesterharburg./foerderkreis

Rainer Theodor Schmitz: Kantaten-Zyklus „Glaubenszeichen“

 

in:  4. November 2017  TIEFGANG

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

Werbeanzeigen