Streichertipps

Instrumentenkunde

Saiten

Wie findet man die besten Saiten und deren optimale Spannung für das eigene Streichinstrument heraus? Saiten gibt es von vielen Firmen in verschiedenen Qualitäten und unterschiedlichen Stärken:

  • weich – mittel – stark
  • light bzw. soft – medium – heavy
  • dolce – medium – forte

Diese Stärken beeinflussen den Klang des Streichinstrumentes entscheidend. Eine dünne Saite schwingt aufgrund der geringeren Masse stärker und länger. Sie überträgt jedoch weniger Energie auf Steg und Korpus. Das führt einerseits zu einer guten Ansprache und einem langen Anhalten des Tons, macht ihn andererseits aber auch leiser. Stärkere Saiten mit höherer Spannung klingen lauter und dringen besser durch. Ihr Ton besitzt mehr Höhen. Ein zu großer Druck auf die Decke des Instruments, der durch eine zu hohe Saitenspannung erzeugt wird,  kann sich auf den Klang jedoch negativ auswirken.

Um den Einfluss einer anderen Stärke zu testen, stimmt man sein Instrument versuchsweise herunter und hinauf. Bei Geigen und Bratschen stimmt man zunächst die beiden hohen und danach die beiden tiefen Saiten etwa einen Viertelton tiefer. Bei Celli und Bässen sollte man sogar einen Halbton tiefer stimmen. Klingt das Instrument nach dem Herunterstimmen besser, nimmt man dünnere, leichtere Saiten. Wenn es es nach Hinaufstimmen besser klingt, wählt man stärkere Saiten.

Man sollte auch die einzelnen Saiten höher oder tiefer stimmen, um eine detaillierte Saitenauswahl treffen zu können. Nicht alle Saiten müssen die gleiche Stärke besitzen oder von derselben Firma stammen.

Bratschen-Saiten

Welche Saite von welchem Hersteller stammt und um welche Sorte es sich handelt, ist in der Regel an der farbigen Enden, also am Saitenhalter bzw. am Wirbelkasten, zu erkennen. Ein paar Beispiele: So sind die Geigensaiten „Dominant“ von „Thomastik“ am Wirbelende lila, unterscheiden sich aber am Saitenhalter voneinander: E-Saite lila, A-Saite blau, D-Saite grün, G-Saite gelb. „Vision“-Saiten sind dagegen am Saitenhalter immer grün ummantelt und lassen sich am Wirbelkasten unterscheiden: E-Saite gelb, A-Saite blau, D-Saite grün, G-Saite gelb. „Larsen“-Geigensaiten sind am Wirbelende rot und am Saitenhalter gelb (A-Saite) bzw. gelb-schwarz gestreift und unterscheiden sich anhand der Kugelbefestigung: E-Saite Messing, A-Saite Chrom, D-Saite Bronze, G-Saite schwarz. Die Kugel und deren Größe ist also ein weiteres Erkennungszeichen. Manche Saiten haben statt einer Kugel eine Schlinge. Sie kommen bei einem Feinstimmer mit Haken zum Einsatz. Dieser benötigt eine Saite mit Schlinge. G- und D-Saiten aus Darm gibt es nur mit Schlinge.

Wolf

Wenn mehrere Töne nicht richtig ansprechen oder schwächer klingen, nennt das einen „falschen Wolf“. In solch einem Fall sollte man verschiedene Saiten ausprobieren. Ein „echter Wolf“ tritt bei einem einzelnen Ton auf, wenn die Resonanz zu groß ist. Oft ist es der Eigenton des Instruments.  Durch die Überresonanz entsteht besonders im Piano ein unangenehm schnarrendes oder heulendes Geräusch. Meist spricht die Saite bei diesem Ton nur schwer an. Der jaulende Klang ist bei Celli am häufigsten, kommt aber auch bei Bratschen und Geigen vor. Luftfeuchtigkeit und Luftdruck spielen bei seinem Auftreten eine Rolle. Das Schnarren kann auch mechanische Ursachen haben, z.B. durch den Saitenhalter oder einen lockeren Stachel verursacht sein.

Man kann den Wolf durch verschiedene Methoden dämpfen, indem man die Resonanz reduziert. Dazu eignen sich z.B. punktuelle Verstärkungen der Decke durch den Geigenbauer. Für Celli gibt es für verschiedene Tonbereiche Resonatoren, die erst genau justiert und dann am Inneren der Decke eingeleimt werden. Geeignet sind auch Metallröhrchen, so genannte Wolftöter, die auf die Saite geschraubt werden oder Eliminatoren, die zwischen Saitenhalter und Steg an zwei Metallfedern eingehängt werden. Ein einfacher Dämpfer, der dauerhaft unterhalb des Stegs steckt, reicht jedoch manchmal schon aus.

Kolophonium

Kolophonium (Bogenharz) besteht als Basis aus dem Harz von Nadelhölzern. Von einigen Herstellern werden Metalle oder Wachs hinzugefügt. Es gibt inzwischen auch ein Kolophonium aus synthetischem Hydro-Carbon-Harz für Allergiker („Clarity“), das nicht stauben soll. Wenn man mit den Bogenhaaren darüber streicht, bildet sich durch den Abrieb auf der Oberfläche eine feine Staubschicht. Falls die Oberfläche nach Benutzung klar und nicht leicht staubig aussieht, sollte man es nicht mehr verwenden.

Für die verschiedenen Härtegrade ist die Grundsubstanz zwar identisch, wird aber durch Kochen verändert. Das Harz wird beim Schmelzen durchsichtig. Der Härtegrad ergibt sich daraus, wie viele der flüchtigen Anteile durch die Hitze verdampft sind. Im Laufe des Prozesses wird das Kolophonium immer härter. Es gibt vier Härtegrade. Das härteste Bogenharz wird am längsten (Härte I), das weichste (Härte IV) am kürzesten gekocht. Für Geigen nimmt man Härtegrad I. Eine Cellosaite ist dicker und braucht eine größere Klebkraft des Bogens, deshalb brauchen Celli ein weiches Kolophonium (Härtegrad IV). Ein Kontrabass-Kolophonium muss besonders weich sein. Das Kolophonium sollte man seinem Instrument und der Saitenqualität anpassen.

Entscheidend für Wirksamkeit des Kolophoniums ist dessen Klebeigenschaft. Die Haftfähigkeit muss so beschaffen sein, dass der Bogen die Saite zwar gut greifen kann, ihn aber auch wieder loslässt. Ist die Haftung zu groß, kann die Saite nicht richtig zurückschwingen. So entstehen Nebengeräusche. Auch die Bogenbespannung spielt hierbei eine Rolle. Wenn die Haare des Bogens nicht völlig gleichmäßig nebeneinander liegen oder schadhaft sind, kommt es durch das Kolophonium zu unterschiedlichen Haft- und Rückschwingungen, die ebenfalls Nebengeräusche erzeugen können.

Man kann die Produkte in zwei Kategorien unterteilen, die man streng trennen muss: Lärchenharz einerseits und Harze anderer Nadelhölzer wie Kiefer, Pinie, Fichte oder Tanne andererseits. Kolophonium aus Lärchenharz darf nie mit anderen Kolophonium-Sorten gemischt werden, sonst kommt es zu einer Reaktion der beiden Sorten miteinander! Das Kolophonium-Gemisch haftet dann nicht mehr an der Saite und sie kann nicht mehr in Schwingung versetzt werden. Das freundliche Angebot, ein fremdes Kolophonium zu benutzen, wenn man das eigene mal vergessen hat, ist also mit Vorsicht zu genießen. Woraus ein Bogenharz besteht, ist nicht immer gleich erkennbar, deshalb sei hier zur Orientierung eine Auswahl an Produkten aus Lärchenharz genannt: „Thomastik Spezial Kolophonium“, „Liebenzeller Metall-Kolophonium“, „Larica Metall-Kolophonium“, „Larica Kolophonium Gold I“, „Colofonia Galeazzi Modo III“, „Amato Kolophonium“.

Witterung und Temperatur haben Auswirkungen auf das Kolophonium. Bei niedrigen Temperaturen greift das Bogenharz kaum noch, aber auch Hitze und Sonnenbestrahlung verändern seine Eigenschaften. Daher gibt es Hersteller, die Kolophonia einer Sorte für Winter und Sommer anbieten. Man sollte das Kolophonium nie auf der Heizung oder in der Sonne liegen lassen und es stets verpackt aufbewahren. Es darf nicht austrocknen, sonst bricht es und wird unbrauchbar.

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